Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Kindheit: Zu Weihnachten steckte oft ein Schein im Umschlag von Oma und Opa â 10, 20 oder sogar 50 D-Mark. Ab aufs Postsparbuch damit. Das ist immer noch eine beliebte Geschenkidee: Laut einer Umfrage der Postbank finden 57 Prozent der Deutschen Geld zu feierlichen AnlĂ€ssen praktisch.Â
Heute wissen wir: So liebevoll das gemeint war â das Geld auf dem Sparbuch hat sich dort nicht vermehrt, sondern wegen der Inflation entwertet. Am meisten hatten diejenigen an Kaufkraft davon, die es sofort ausgegeben haben.
Was also tun, wenn man Geld verschenken möchte â und es nicht nur ein schöner, sondern auch ein sinnvoller Beitrag fĂŒr die Zukunft sein soll?
Erst ĂŒberlegen: WofĂŒr ist das Geld gedacht?
Die wichtigste Frage lautet:Â Was ist das Ziel des Geldgeschenks? Was wĂŒnscht sich das Kind?
- FĂŒr einen kurzfristigen Wunsch wie ein neues Fahrrad oder das erste Handy?
- FĂŒr ein mittelfristiges Ziel wie den FĂŒhrerschein oder eine Weltreise nach dem Abi?
- Oder als Beitrag zum langfristigen Vermögensaufbau?
Je nach Zeithorizont und Verwendungszweck gibt es unterschiedliche Strategien â und das macht es so spannend!
đžÂ 1. Bargeld â fĂŒr sofortige WĂŒnsche
FĂŒr kurzfristige WĂŒnsche ist Bargeld nach wie vor die beste Wahl. Flexibel, direkt einsetzbar, unkompliziert. Vielleicht kombiniert mit einem persönlichen Hinweis: âWenn du möchtest, kannst du das Geld natĂŒrlich auch zur Seite legenâŠâ â der erste Schritt zur eigenen Geldentscheidung. Und je jĂŒnger das Kind: Es kann den Zusammenhang zwischen einem Geldschein und den Kauf eines PlĂŒscheinhorns lernen.
đŠ 2. Tages- oder Festgeld â fĂŒr mittelfristige PlĂ€ne
Wenn klar ist: Das Geld wird in zwei bis drei Jahren gebraucht, lohnt sich ein Blick auf Tages- und Festgeldkonten.
- Tagesgeld: Jederzeit verfĂŒgbar, etwas Zinsen (je nach Bank aktuell bis zu. 3 Prozent), aber schwankend und nicht garantiert.
- Festgeld: Feste Laufzeit (z.âŻB. zwei Jahre), dafĂŒr leicht höhere Zinsen.
Beides ist risikoarm â eine solide Option, wenn Oma und Opa keine Lust auf Börsenabenteuer haben, aber auch keine Enteignung durch Inflation.
Eine ebenso sichere Alternative zum Tages- oder Festgeld sind Bundesanleihen. Wer ein Depot hat, kann sie ganz unkompliziert und gĂŒnstig ĂŒber die Börse kaufen. Die Verzinsung, Rendite genannt, ist Ă€hnlich. Ein Vorteil: Sie können jederzeit auch verkauft werden, anders als Festgeld. Und es ist etwas anderes, von einer Bank Zinsen zu bekommen oder dem Staat Geld zu leihen. Etwas Finanzbildung also inklusive.
Was ist mit dem Sparbuch?
Das Sparkonto hat (sorry) ausgedient: Kaum Zinsen, schlechte Konditionen â Ă€hnlich wie das gute alte Sparschwein.
đ 3. Kinderdepot und ETFs â fĂŒr den langfristigen Vermögensaufbau
Der gröĂte Schatz, den Kinder beim Investieren haben, ist nicht das Weihnachtsgeld â sondern Zeit.
Denn: Der Zinseszinseffekt ist das achte Weltwunder (sagte Albert Einstein). Wer frĂŒh startet, profitiert von exponentiellem Wachstum â und selbst kleine BetrĂ€ge können GroĂes bewirken.
Beispiel:
Ein einmaliges Geschenk von 1.000 Euro, investiert in einen weltweiten ETF mit durchschnittlicher Rendite von 7 Prozent nach Kosten, wird in 10 Jahren zu ca. 2.100 Euro und in 20 Jahren schon knapp 5.000 Euro und nach 30 Jahren etwa 10.000 Euro â ganz ohne weitere Einzahlungen.
Noch besser:Â Ein Sparplan.
Oft reichen schon 25 Euro im Monat. Die Einrichtung ist einfach, die Kosten sind gering â und das Depot wĂ€chst mit dem Kind.
Es muss nicht das eine oder das andere sein. Einmalzahlungen und SparplĂ€ne lassen sich prima kombinieren. Und falls noch andere aus der Familie oder Freunde mit einzahlen wollen â das Kind freut sich.
đ¶ Kinderdepot â auf wessen Namen eigentlich?
Depot auf den Namen des Kindes (das Kind ist EigentĂŒmerin, bzw. EingentĂŒmer, die Eltern verwalten das Geld treuhĂ€nderisch):
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Steuerlich attraktiv: Kinder haben eigene FreibetrĂ€ge fĂŒr KapitalertrĂ€ge.
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Das Geld gehört dem Kind â es wird selbststĂ€ndig.
â Nachteil: FĂŒr jede VerĂ€nderung mĂŒssen beide Erziehungsberechtigten unterschreiben â das kann im Alltag unpraktisch sein.
â Ab 18 hat das Kind alleinigen Zugriff â auch wenn es dann lieber ein Auto statt ETF will.
Depot auf den Namen der Eltern (Eltern bleiben EigentĂŒmer des Geldes.
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Flexibler in der Verwaltung.
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Eltern behalten die Kontrolle.
â ErtrĂ€ge werden mit dem eigenen Freibetrag versteuert â Abgeltungsteuer kann anfallen.
Viele Familien kombinieren beides â ein Depot auf den Namen des Kindes fĂŒr langfristige BetrĂ€ge und eines auf den Elternnamen fĂŒr flexiblere Zwecke.
4. Gold â die besondere Verpackung fĂŒr ein Geldgeschenk
Gold hat in vielen Familien Tradition â als MĂŒnze oder kleiner Barren unter dem Tannenbaum. Es vermittelt Wert, StabilitĂ€t, Dauer.
Aber Achtung:
- Aufbewahrung (z.âŻB. im Tresor) ist nötig.
- Die PrĂ€gung kostet â und die Handelsspanne ist groĂ (z.âŻB. Kauf zu 2.200 Euro, Verkauf nur zu 2.050 Euro).
- Bei Schmuck zÀhlt meist nur der Materialwert.
Gold als ETF im Depot? Auch möglich â aber natĂŒrlich weniger charmant als Geschenk unterm Baum.
đ Finanzbildung als Geschenk
Ein Depot zu eröffnen â gemeinsam mit einem Kind oder Enkel â kann ein groĂartiger Einstieg in die Welt der Finanzen sein. Fragen wie:
Was ist eine Aktie? Was bedeutet Rendite? Was passiert, wenn der Markt schwankt?
…werden auf einmal ganz real â und prĂ€gen nachhaltig.
đ Fazit
Geldgeschenke sind eine wunderbare Geste â wenn sie durchdacht sind. Ein 50-Euro-Schein ist schnell ausgegeben. Ein Depot mit ETF-Sparplan dagegen kann ein finanzielles Fundament fĂŒrs Leben legen.
Ob Festgeld, Gold oder Welt-ETF: Entscheidend ist, dass wir anfangen, bewusst mit Geldgeschenken umzugehen. Und das bedeutet auch: ĂŒber Geld zu sprechen â offen, generationsĂŒbergreifend und mit Weitblick.

