đżïž Das Altersvorsorgedepot kommt: Was du jetzt tun kannst â und was noch Zeit hat. Blogbeitrag von Edda vom 4. Oktober
Ab Januar 2027 gibt der Staat bis zu 540 Euro im Jahr dazu, wenn du in ein gefördertes Altersvorsorgedepot einzahlst â und fast alle sind berechtigt. Aber welches der drei Depots passt zu dir? Was wird aus deinem alten Riester-Vertrag? Und warum solltest du im Oktober noch nichts unterschreiben? Edda sortiert Zulagen, Kosten und Haken â mit einem Fahrplan in fĂŒnf Schritten.
Das Wichtigste zuerst: Die meisten von uns können ab Januar bis zu 540 Euro im Jahr vom Staat dazubekommen â wenn sie in ein zertifiziertes, staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot einzahlen. Angestellte, Beamtinnen, SelbststĂ€ndige, Minijobber, Eltern in der Kindererziehungszeit: fast alle sind dabei.
Mein Anstoà zu diesen Beitrag: Neulich habe ich einem Verein bei uns in der Verbandsgemeinde angeboten, im Dorfgemeinschaftshaus einen Infoabend zum Altersvorsorgedepot zu machen. Ehrenamtlich, ohne Produkt im GepÀck. Die Absage kam freundlich und prompt: Die Allianz sei Ende September ohnehin schon da.
Da wurde mir klar: Das Interesse ist riesig â und der Vertrieb ist schneller als der Vergleich. Genau deshalb ist das Altersvorsorgedepot, kurz AVD, unser Börsenthema des Monats. In drei Monaten geht es los. Zeit, dass du dir selbst ein Bild machst, bevor es jemand anderes fĂŒr dich tut.
Was sich ab Januar Àndert
Am 1. Januar 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ab. Der groĂe Unterschied: Die Garantiepflicht fĂ€llt weg. Bei Riester mussten Anbieter jeden eingezahlten Euro garantieren â das hat sie in renditeschwache Anlagen gezwungen und die VertrĂ€ge teuer gemacht.
Im AVD darf dein Geld jetzt dorthin, wo es ĂŒber Jahrzehnte arbeiten kann: in breit gestreute ETFs und Fonds, auf Wunsch zu 100 Prozent in Aktien. Einzelaktien und Krypto bleiben drauĂen.
Neu ist auch, wer mitmachen darf. Wie eingangs gesagt: Neben Angestellten und Beamtinnen sind erstmals SelbststĂ€ndige dabei, auĂerdem Minijobber ohne Befreiung von der Rentenversicherung, Eltern in der Kindererziehungszeit und Ehepartner ĂŒber den förderberechtigten Partner.
Was der Staat dazugibt
Die Förderung ist einfacher als bei Riester â und sie belohnt gerade kleine BetrĂ€ge:
- 50 Prozent Zulage auf die ersten 360 Euro, die du im Jahr einzahlst
- 25 Prozent Zulage auf alles darĂŒber, bis 1.800 Euro im Jahr
- 300 Euro Kinderzulage pro Kind und Jahr: Bis 25 Euro im Monat wird jeder Euro verdoppelt
- 200 Euro Bonus einmalig, wenn du vor deinem 25. Geburtstag startest
Zwei Beispiele:
- Du zahlst 30 Euro im Monat â 360 Euro rein, 180 Euro vom Staat dazu.
- Du zahlst 150 Euro im Monat â 1.800 Euro rein, 540 Euro dazu. Mehr Zulage gibt es nicht.
Dabei bist du schon ab 10 Euro im Monat. Und beim Ansparen fallen weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an â der Zinseszins darf ungestört arbeiten. Versteuert wird erst in der Rente, mit deinem persönlichen Steuersatz.
Du hast noch einen Riester-Vertrag?
Dann bist du in groĂer Gesellschaft. Laut Bundesarbeitsministerium gibt es noch knapp 15 Millionen Riester-VertrĂ€ge. Gut ein FĂŒnftel bis knapp ein Viertel davon â also mehr als drei Millionen â wird gar nicht mehr bespart. Und viele lohnen sich schlicht nicht: zu hohe Kosten, zu wenig Rendite durch die Garantiepflicht.
Ab Januar kannst du deinen Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot ĂŒbertragen, ohne Zulagen zurĂŒckzuzahlen. Du musst aber nicht: Bestehende VertrĂ€ge laufen weiter. KĂŒndigen ist fast immer die schlechteste Lösung, denn dann sind Zulagen und Steuervorteile weg.
- Eher wechseln: Dein Vertrag kostet mehr als 1 Prozent im Jahr und du hast noch ĂŒber fĂŒnf Jahre bis zur Rente.
- Eher bleiben: alte VertrÀge mit hohem Garantiezins (2002 bis 2006: 2,75 bis 3,25 Prozent), ein garantierter Rentenfaktor oder nur noch wenige Jahre bis zur Rente.
- In die Beratung: Wohn-Riester. Der Wechsel ist komplex.
Frag vorher bei deinem Anbieter drei Dinge ab: möglicher Garantiezins, Rentenfaktor und laufende Kosten.
Drei Depots â welches passt zu dir?
| Standarddepot | Freies AVD | Garantieprodukt | |
|---|---|---|---|
| Mein Spitzname | Der Autopilot | Die Selbstwahl | Der Sicherheitsgurt |
| So funktioniert es | Zwei Fonds, automatisch gemischt, wird vor der Rente sicherer | Du wÀhlst aus mehr als 1.000 ETFs und Fonds | 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie |
| Kosten | gedeckelt auf 1,0 Prozent im Jahr | kein Deckel, der Wettbewerb entscheidet | meist höher |
| FĂŒr dich, wenn ⊠| du es einfach willst | du selbst steuern willst | du ohne Garantie nicht schlafen kannst (was sich aber trainieren lĂ€sst) |
Die Zulage ist bei allen dreien gleich. Der Unterschied liegt bei den Kosten â und die sind der Renditekiller, den wir aus dem Pilzbeitrag vom vergangenen Herbst schon kennen.
Mein Rechenbeispiel: 150 Euro im Monat plus volle Zulage, 40 Jahre lang, 6 Prozent Marktrendite. Mit 0,2 Prozent Kosten im Jahr landest du bei rund 344.000 Euro. Mit 1,0 Prozent bei rund 283.000 Euro. Gut 60.000 Euro Unterschied â fĂŒr denselben Sparbetrag.
Der Kostendeckel von 1,0 Prozent ist eine Obergrenze, kein QualitĂ€tssiegel. Die gute Nachricht: Der Wettlauf um dich lĂ€uft bereits. Scalable Capital, Quirion mit Vanguard, Smartbroker+ und die Deka haben Standarddepots mit Produktkosten zwischen 0,07 und 0,15 Prozent angekĂŒndigt. Andere, etwa Trade Republic, die ING oder Consors, hatten bis September noch keine Konditionen genannt.
Die Haken â ehrlich benannt
Das AVD ist reine Langstrecke. In unserem Drei-Töpfe-Modell wohnt es im dritten Topf, beim strategischen Vermögensaufbau. Das heiĂt:
- Dein Geld ist gebunden. Die Auszahlung startet frĂŒhestens mit 65, spĂ€testens mit 70. Wer vorher rausgeht, zahlt die Zulagen zurĂŒck.
- Die Steuer kommt spÀter. In der Rente versteuerst du die Auszahlungen mit deinem persönlichen Steuersatz.
- Kein Alles-auf-einmal. Zum Start darfst du bis zu 30 Prozent entnehmen. Der Rest flieĂt ĂŒber einen Auszahlplan bis mindestens 85 oder als lebenslange Rente.
Deshalb ersetzt das AVD weder deine Cash-Reserve noch deine anderen Investment. Meine Lieblingskombi: bis zu 150 Euro im Monat ins AVD, alles darĂŒber flexibel ins eigene ETF-Depot.
Dein Fahrplan in fĂŒnf Schritten
- Status checken: Bin ich förderberechtigt? Nicht dabei sind Vollrentnerinnen und -rentner und freiwillig Versicherte.
- Betrag festlegen: Ab 10 Euro im Monat bist du dabei, die volle Zulage gibt es mit 150 Euro.
- Depotart wÀhlen: Autopilot, Selbstwahl oder Sicherheitsgurt. Wenn du einmal im Jahr ein, zwei Stunden investieren willst, reicht das Standarddepot oder ein Welt-ETF im freien AVD.
- Anbieter vergleichen: Produktkosten plus Depotkosten â und zwar die nach dem ersten Jahr. Lockangebote laufen aus.
- Starten: Und dann: FĂŒĂe hoch.
FĂŒr den ETF im freien AVD gelten dieselben Fragen wie immer: breit gestreut, laufende Kosten möglichst niedrig, groĂ genug, gut handelbar.
Was du mitnehmen kannst
Tipp: Lass dir Zeit mit der Auswahl. Die Bafin zertifiziert die Anbieter gerade erst, die ersten Genehmigungen werden fĂŒr November erwartet. Denn: Ab fĂŒnf Jahren Laufzeit ist der Anbieterwechsel kostenlos, davor kann er bis zu 150 Euro kosten.
Merksatz fĂŒr diesmal: Die Zulage schenkt dir der Staat â die Kosten entscheidest du. Und du hast Zeit bis Dezember 2027.
Handlungsempfehlung: Nimm dir diese Woche 15 Minuten. KlÀre, ob du förderberechtigt bist, und wenn du einen Riester-Vertrag hast, frag bei deinem Anbieter drei Dinge ab: Möglicher Garantiezins, Rentenfaktor und laufende Kosten.
Vor allem: Lass dir nicht aufschwÀtzen!
Wie gehst du es an: Autopilot oder Selbstwahl? Und hast du noch einen Riester-Vertrag in der Schublade?
Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Alle Rechenbeispiele sind vereinfacht und keine Prognose. Stand: Oktober 2026 â Details können sich bis zum Start noch Ă€ndern.

